Südamerika wird immer relevanter

Viele in Europa interessieren sich nicht für die Entwicklungen und den Nachrichten in bzw. aus Südamerika, obwohl Südamerika wichtig für die Wirtschaft in Europa ist und für den Klimaschutz ein verlässlicher Partner werden muss.

Das Mercosur Freihandelsabkommen und die vielen Rohstoffvorkommen sind aktuell wirtschaftlich Relevant und der Regenwald in Südamerika ist ein riesiger Kohlenstoffspeicher, Lebensraum für Tiere und wird weiterhin vernichtet.

Mercosur Freihandelsabkommen

Der wichtigste deutsche Industriestandort außerhalb Deutschlands ist Sao Paulo mit etwa 1000 deutschen niedergelassenen Unternehmen. Das zeigt wie hoch die Relevanz der Beziehungen zwischen Deutschland und dem südamerikanischen Land Brasilien sind.

Dies ist einer der vielen Gründe weshalb das Freihandelsabkommen zwischen den Mercosur Ländern (Brasilien, Paraguay, Uruguay und Argentinien) und der EU so wichtig ist. Deutschland ist ein Exportland und ist somit meistens pro Freihandelsabkommen, um ihre Güter einfacher und günstiger in andere Länder exportieren zu können.

Die Zölle ohne das Freihandelsabkommen sind sehr hoch. Die Einfuhrzölle in die Mercosur Staaten sind für Autos bei bis zu 35%, für Maschinen bis zu 20% und für Chemikalien bis zu 18%. Da sieht die europäische Industrie natürlich eine riesige Chance beim Wegfall dieser Zölle.

Das ganze Abkommen hat natürlich nicht nur einseitige Vorteile für Europa. Auch die Zölle für Agrarprodukte wie zum Beispiel Rindfleisch, Soja, Geflügelfleisch und Zucker sollen für die Einfuhr in die EU wegfallen. Eine mögliche Folge davon könnte sein, dass das Abbrennen des Regenwaldes weiter fortgesetzt wird, um massenhaft genau diese Agrarprodukte in die EU exportieren zu können.

Der große Vorteil bei Ländern wie Brasilien ist nun mal die enorme Landfläche. Doch die Standards in der Landwirtschaft und die Umweltauflagen sind nicht auf dem Niveau Europas. Beispielsweise ist der Einsatz von Pestiziden acht mal höher als in Europa. Auch sind dort Pestizide zugelassen, die in Europa verboten sind. Deutsche Unternehmen wie BASF und Bayer, Hersteller dieser Stoffe, werden profitieren. Durch die sehr intensive Nutzung dieser Stoffe und dem Wegfall der Zölle eröffnen sich dort Exportmöglichkeiten für unter anderem diese zwei Konzerne.

"Südamerika muss wirtschaftlich und für den Klimaschutz ein verlässlicher Partner sein."

Das Abkommen hat auch viele Nachteile für Südamerikaner.

Die Gesundheit der Menschen in den Anbauregionen und der Konsumenten wird nicht geschützt. Das Handelsabkommen enthält zwar ein eigenes Kapitel zur Nachhaltigkeit wo auch der Schutz der Natur, Gesundheit der Menschen und die Einhaltung von Menschenrechten festgeschrieben wird, aber leider hat man keine Mechanismen festgelegt, die greifen würden, wenn gegen diese Dinge verstoßen wird. Somit ist dies nicht mehr als ein Symbolkapitel und man kann sich sicher sein, dass Länder wie Brasilien weiterhin Regenwälder abbrennen werden, um mehr Landfläche für die Landwirtschaft zu gewinnen.

Wenn man von EU Seite wirklich den Klimaschutz im Auge gehabt hätte, dann wäre man diesen Deal niemals eingegangen, aber hier waren wirtschaftliche Interessen wieder einmal das Hauptaugenmerk. Es ist einfach nur sehr traurig zu sehen, dass auch im Jahr 2019 immer noch keine nachhaltigen Freihandelsabkommen von der EU abgeschlossen werden können.

Zum Glück muss das Abkommen in jedem EU Land angenommen und ratifiziert werden. Vielleicht wird es doch nicht zu diesem Fehler kommen. Doch für mich ist es seltsam zu sehen, dass der Widerstand gegen dieses Abkommen in der Bevölkerung Europas nicht so heftig ist wie gegen TTIP.

Warenhandel zwischen EU und Mercosur

Der Warenhandel zwischen der EU und den Mercosur Ländern ist relativ stetig. Die Handelsbilanz ist seit 2012 positiv zu Gunsten der EU.

Rohstoffe wie Lithium, Kupfer - und Wasserstoff?

Chile ist größter Kupferlieferant der Welt. Unter anderem wird dieser wichtige Rohstoff in der Atacama Wüste abgebaut. Einige Ausgrabungsstätten sind unfassbar riesige Löcher mit einer Tiefe von über einem Kilometer. Nicht nur der Abbau an sich, sondern auch die Weiterverarbeitung ist unglaublich umweltschädlich. Einmal die Natur, die zerstört wird und andererseits wird bei der Weiterverarbeitung sehr viel Energie und Wasser benötigt.

Wasser ist in dieser Region sehr rar, da die Atacama Wüste die trockenste Wüste der Welt ist. Die Energie stammt hauptsächlich aus Kohlekraftwerken, obwohl das Potential erneuerbare Energien zu nutzen sehr groß ist. Dazu muss man wissen, dass in diesem Teil des Landes fast nichts ist außer Wüste und Steppe und somit viel ungenutzte Landfläche zur Verfügung steht.

Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit sagt, dass das Potential für die Gewinnung von erneuerbaren Energien nirgends auf der Welt so hoch ist wie dort. Zwar ist die Atacama-Wüste der Standort des größten Solarkraftwerk der Welt, das Strom für über 380.000 Haushalte liefern kann, aber trotzdem sind dort noch nicht genutzte Potentiale da. Das bringt ungeahnte Möglichkeiten. Man könnte diese umweltfreundliche Energie nutzen um Wasserstoff herzustellen und den in die ganze Welt zu exportieren.

Mit den entsprechenden Antrieben in unseren Autos, könnte dies eine umweltfreundliche Lösung für unseren Individualverkehr in Europa sein. Einerseits wäre dies auch wieder ein drastisches Eingreifen in die Naturlandschaften, aber hier könnte man andererseits auch dazu beitragen, dass weltweit weniger CO2 Emissionen das Klima belasten.

Zudem sind Solarkraftwerke rückbaubar und somit kein irreversibler Eingriff in die Natur. Chile ist auch ein Land, dass sehr stark vom Klimawandel betroffen ist. Die geringere Niederschlagsmenge bringt große Probleme in der dortigen Landwirtschaft und in der Trinkwasserversorgung. Also sollte Klimaschutz weit oben auf der Agendaliste Chiles zu finden sein.

Boliviens Lithiumvorkommen

Doch nicht nur Chile beherbergt wichtige Rohstoffe für die europäische Industrie. Bolivien beherbergt die größten Lithiumvorkommen der Welt in der Uyuni Salzwüste. Jeder, der diese schon mal besucht hat, weiß wie unfassbar beeindruckend diese scheinbar unendlichen Weiten dieser Wüste sind. Viele fahren dorthin wegen dieser schönen und interessanten Gegend, aber es ist auch von hohem wirtschaftlichem Interesse.

Lithium ist ein wichtiger Bestandteil der Akkus, die wir zum Beispiel in Elektroautos oder Handys nutzen und 9 Millionen Tonnen Lithium werden in der Uyuni Ebene vermutet. Bolivien sieht dieses Vorkommen als Chance zu Wohlstand zu kommen. Ein Drittel der Fläche wurde von der Regierung zum Abbau freigegeben. Wie interessiert alle an diesem Stoff sind, zeigt der Streit um die deutsche Beteiligung beim Abbau des Stoffes.

Durch die Unruhen, die wegen des Wahlbetrugs entstanden sind, ist die Zusammenarbeit mit dem deutschen Unternehmen ACISA vorerst gestoppt worden. Dies hat direkt zu diplomatischen Verwerfungen zwischen der Bundesregierung und der Übergangsregierung in Bolivien geführt.

Das bolivianische Volk ist über diese Zusammenarbeit nicht glücklich, da sie das Gefühl haben von dem Deal keinen Stück vom Kuchen abzubekommen. Damals hat Präsident Morales versprochen die gesamte Produktion und Verarbeitung nur in bolivianischer Hand behalten zu wollen, damit die Gewinne aus dem Verkauf des Rohstoffs im Land bleibt.

Bolivien hat nun mal Erfahrung damit gemacht wie es abläuft, wenn die Rohstoffe abgebaut werden, aber die Regionen und Menschen trotzdem arm bleiben. In Potosi, wo Zinn und Silber abgebaut wird, sind ausländische Firmen reich geworden, aber die bolivianische Bevölkerung hat nur die negativen Folgen des Abbaus erfahren. Chinesische und europäische Unternehmen werden auch in Zukunft versuchen so viel wie möglich an dem Rohstoff zu profitieren, der so wichtig für die Wirtschaft ist. Mal hoffen, dass dabei die Bolivianer auch davon profitieren.